Fazit der CeBIT 2014: Open Source zog — und wird von der Messe ignoriert

Cebit-Heinlein-Buehne

Eine Woche Messestand auf der CeBIT haben wir nun hinter uns — alle freuen sich wieder auf zu Hause. Der Open Source Park in Halle 6 wurde wie üblich von der CeBIT nicht wirklich beworben und ausreichend gewürdigt — auch die schon oft zugesagte Ausschilderung dieses Bereichs an den Hallen viel wieder einmal sang- und klanglos unter den Tisch. Dabei zeigte sich wie jedes Jahr: Der Open Source Bereich gehört zu den bestbesuchtesten Bereichen.

10 sogenannte „Special Conferences“ gab es auf dem CeBIT Messegelänge — besondere Bereiche mit Fachvorträgen, die von der Bedeutung und Wertigkeit noch über den sonst üblichen Fachforen stehen. Auch wir von Heinlein Support haben die Patenschaft für die „Special Conference Open Source“ übernommen.

Vor lauter Schreck haben die Messeverantwortlichen für diese 10 Foren ein absolut selten dämliches Konzept aus der Tasche gezogen, daß alle Aussteller schon vor Messeeröffnung in ungläubiges Staunen versetzte: Abgehängte Seitenwände verhinderten jede Einsichtnahme in das Forum. Während drinnen viele Stühle leer blieben, zog draußen die Besucher am Forum vorbei. Das Anlocken von Besuchern war kaum möglich und das ganze Forum war eine grandios schlecht gemachte Farce. Drin fühlte man sich wie in einem großen weißen Schuhkarton, aus dem man durch den entfernten Eingangsschlitz etwas nach draußen sehen konnte. „It’s not a bug, it’s a feature“ muß man dazu wohl kommentieren. Eigentlich wollte die Messe diese Konferenzen aufwerten — in der Praxis wurden erfolgreich die Besucher ausgesperrt.

Nachdem am ersten Tag Aussteller Sturm liefen, wurden über Nacht wenigstens einige Seitenwände abgehängt, ab dem zweiten Tag lief es sofort spürbar besser. -Alles in allem sorgte das Foren-Konzept jedoch weiterhin dafür, daß relevant Zuschauer außen vor geblieben sind.

Open Source: Von allen Konferenzen die besten Besuchszahlen

Aber, interessantes Fazit: Von allen 10 über die Messe verteilten „Special Conferences“ hatte die „Special Conference Open Source“ mit Abstand am meisten Besucher. Wer die Open Source-Halle kennt, den überrascht das nicht. Die Messe jedoch ignoriert das Thema Open Source weiterhin. Verworrene Konzepte, lustlose Umsetzung, schlechte Ausschilderung sorgen dafür, daß nach und nach die Aussteller die Lust verlieren. Mal schauen, wer nächstes Jahr überhaupt noch dabei ist. Die ersten Unternehmen haben sich von ihrer Messepräsenz ja bereits verabschiedet. -Schade, aber dieses Problem ist von der Messe hausgemacht.

Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Fazit der CeBIT 2014: Open Source zog — und wird von der Messe ignoriert

  1. Chris W sagt:

    Dem Kommentar gebe ich in Teilen Recht. Der Open Source Park war tatsächlich nicht sehr besucherfreundlich gestaltet. Er wirkte eng und mutete ein wenig wie bei den chinesischen USB-Stick-Vertriebsständen an. Das haben die Branchenvertreter bei Weitem nicht verdient.
    Dennoch halte ich einen Rückzug des Open-Source-Branche von der CeBIT für falsch. OSS ist schließlich kein Produkt, es ist eine Philosophie, die es zu vertreten gilt.
    Würden die Vertreter dieser Philosophie der Welt-größten IT-Fachmesse fern bleiben, würde die Aufmerksamkeit noch weiter sinken.
    Es sollte stattdessen heißen, durchhalten und Gesicht zeigen.
    Also bis zum nächsten Jahr auf der CeBIT :)

  2. Das ist gut gesagt, aber man muß auch bedenken, daß wir für einen Messeauftritt alles in allem rund 30.000 EUR hinlegen.

  3. Dann werfe ich mich doch mal für die CeBIT in die Bresche – oder versuche es zumindest: Ja, das Foren-Layout war für den Open Source-Bereich ein Rohrkrepierer. Woanders auf dem Gelände hat es aber nach Mitteilung der Messe funktioniert. Wir sind einfach ein weißer Rabe auf dem Messegelände: Mit geringer Fläche ziehen wir Besuchermassen an. Oft genug ist´s umgekehrt. Aber: Die Messe hat schnell reagiert – und das finde ich schon mal sehr positiv. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es -zumindest für den Open Source Bereich- bei diesem Versuch der Forenpräsentation bleiben wird.

    Wir als Open Sourcler (ich bezeichen mich als Überzeugungstäter einfach mal so) müssen uns aber auch an die eigene Nase fassen: Für den betriebswirtschaftlichen Erfolg der CeBIT ist die verkaufte Fläche entscheidend. Und da ist der Open Source-Bereich leider noch im Zwergenstadium. So viel auch versucht wird (z.B. von uns oder von der OSBA), an dieser Stelle eine unübersehbare Präsenz auf der CeBIT hinzubekommen; die Bemühungen werden konterkariert, wenn besucherträchtige Open Source Firmen wie z.B. Red Hat und SUSE der Messe ganz fernbleiben oder wie z.B. Pentaho in anderen Bereichen der Messe residieren.
    Klar, nichts gegen solche betriebswirtschaftliche Entscheidungen – aber ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass diese Firmen gerade auch im OS-Umfeld und unter OS-Label auf der CeBIT gute Geschäfte machen könnten – und so ganz nebenbei die Wahrnehmung von freier Software deutlich beflügeln würden.

    Und das würde allen Open Source-Firmen -nicht nur auf der CeBIT- nützen…

  4. F. Horst sagt:

    Ich habe mich sehr gefreut auf den Heinlein Stand und alleine schon die „Ein root für alle Fälle“ Sticker waren der Hammer ! Ich würde mir bei den Vorträgen einen offenen bereich so wie im CMS-Garden wünschen. Ruhig einfache Bierbänke dafür viel Platz für viele Zuschauer. Es kristallisiert sich dennoch klar heraus das die Messe anscheinend nur gut zahlende und etablierte Firmen ausstellen möchte anstatt die neuen und offenen Projekte und Firmen die im Firmen Einsatz sogar noch weiter verbreitet sind. Ich denke da nur an Projekte wie Firefox, VLC, VirtualBox, die ganzen CMS Systeme, Linuxserver usw. Im Fazit ist es wie beim Breitbandausbau in Deutschland, alte Sachen werden gelobt und neue und bessere Alternativen Ignoriert kein Wunder daher das die CeBit hinterher hinkt.

  5. Heinrich sagt:

    Die liebe Deutsche Messe AG lernt bekanntlich nur langsam und du hast mit deiner Kritik absolut Recht lieber Peer. Allerdings arbeitet die Messe an vielen Punkten – an einigen mehr, an anderen viel zu wenig und ob die Prioritäten stimmen, dass wissen wahrscheinlich nicht einmal die Planer der Messe selbst.

    Von mir vielleicht auch noch ein paar Beispiele:
    – Das WLAN bewerben ist nicht sinnvoll, wenn es dann einfach nicht wirklich funktioniert. Klar ist es durch die Größe der Messe eine ganz besondere Herausforderung, aber dafür hat man auch einen Katalog passender Fachfirmen und nennt ihn Ausstellerverzeichnis. Manchmal muss man einfach in Infrastruktur investieren.
    – Der Planet Reseller Bereich war wieder da und nahm von der Qualität erneut ab. Die typische Registrierung die man sonst vorher online machte wurde irgendwann deutlich vor der Messe einfach eingestellt. So musste man sich extra vor Ort an den Service wenden und hat wirklich „tolle“ Formulare zum ausfüllen bekommen. Das hätte wirklich nicht sein müssen.
    – Es sollte eine reine Fachbesuchermesse werden – dafür gab es dann aber doch wieder viel zu viele Privatbesucher, Ich-greife-alles-von-den-Ständen-ab-Sammler und Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die definitiv keine 16 Jahre alt waren. Angehende Lehrlinge und Studenten in einer nett gemachten Halle zum Thema passend zu informieren war aber definitiv eine gute Idee, wenn auch in meinen Augen nicht konsequent und richtig gut umgesetzt.

    Immerhin war ich dieses Jahr kein Aussteller – daher entfällt der Teil dazu ;)

    Wie waren denn die CLT für euch?

  6. Peter Pansen sagt:

    Hallo,

    seit ihr dieses Jahr nicht auf der CeBIT?

  7. Nein, sind wir nicht (mehr). Nach vielen, vielen Jahren hat uns das TamTam dort gereicht. Wir hatten stattdessen gerade ein sehr schönes Wochenende auf den Chemnitzer LinuxTagen. Wer wissen will, wie perfekte organisation sowie eine perfekte Verbindung von Community und Business geht, der schaut bei den CLT vorbei — der wichtigsten Linux-Veranstaltung, die es in Deutschland gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.