Wir schreiben die SMTP-Zeit 1778486400 im Jahre 44 nach RFC 821. Allen jahrelangen Unkenrufen zum Trotz wächst E-Mail auch 2026 weiter — auf prognostizierte 392 Milliarden täglich versandte Nachrichten, von denen geschätzt 45–50 % unerwünscht sein dürften. Gleichzeitig hat sich das Ökosystem in den letzten Jahren spürbar in Bewegung gesetzt: neue Authentifizierungspflichten der großen Mailbox-Provider, regulatorischer Druck durch NIS2, KRITIS und die BSI Technische Richtlinie, KI-gestütztes Phishing und ein überarbeiteter Protokoll-Stack (JMAP, DKIM2, DANE, MTA-STS/TLS-RPT, Structured Email) verändern das Betriebsmodell für alle, die eigene Mail-Infrastrukturen verantworten.
Parallel dazu entwickelt sich auch die Mail-Security weiter. Rspamd hat mit dem frisch erschienenen Major-Release 4.0 einen Sprung vollzogen: HTML-Fuzzy-Matching zur strukturellen Phishing-Erkennung, Multi-Class Bayes, fastText/LLM-Embeddings für neuronale Klassifikation mit vortrainierten Modellen und ein neues /checkv3-Scan-Protokoll mit strukturierten Metadaten. Stalwart hat sich zur vollständigen Collaboration-Plattform gewandelt und steht kurz vor Release 1.0.
Der Vortrag gibt einen kompakten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen: Bewegung bei RFCs und Standards, Release-News zu zentralen Open-Source-Komponenten (Rspamd, Stalwart, Postfix, Dovecot, Groupware), neue Ansätze bei Phishing, Anti-Abuse und kollektiver Spam-Abwehr sowie Betriebsthemen rund um Observability, DNS, Testing und Automatisierung via Ansible.
Ein eigener Schwerpunkt widmet sich JMAP und der OpenCloud-Groupware: Nach Jahren der IMAP-Dominanz zeichnet sich hier erstmals ein ernsthafter Protokoll-Generationswechsel ab. OpenCloud denkt dabei über Mail, Kalender und Kontakte hinaus auch Files, Videokonferenz und Chat als integrierte Groupware-Plattform mit.