M3AAWG-Konferenz: Delivery Specialists und SMS-Spam

Es gibt Berufe, von denen der Otto-Normalsterbliche nicht wirklich etwas ahnt. Der „Delivery Specialist“ wäre ein schönes Beispiel dafür. Auf der Konferenz M3AAWG der „Messaging Anti-Abuse-Working-Group“ (MAAWG) laufen davon jedoch viele rum. Die internationale Konferenz findet gerade in Berlin statt, hier treffen sich Provider, Mail-Fachleute und Spam-Jäger zum Austausch und plaudern aus dem Nähkästchen.

Mehrere Tage lang dreht sich hier alles um den massenhaften Austausch von E-Mails zwischen Providern, dem Mißbrauch durch Spammer und den vielen kleinen und großen Problemen, mit denen Mail-Provider so zu kämpfen haben.

Schön zu sehen: Auch die „Big Player“ der ISP-Branche haben mit den „Big-Big-Big-Playern“ wie Gmail oder Hotmail alle die gleichen Schwierigkeiten, wenn diese — warum auch immer — mal wieder die Annahme von E-Mails verweigern. Dann dauert es nicht lange, bis sich Endkunden beim absendenden (unschuldigen) Provider beschweren — und sich ein „Delivery Specialist“ darum kümmern soll rauszukriegen, wie er zehntausend (legaler) Marketing-Mails seines Kunden endlich ausgeliefert bekommt.

Welche Meinung die Profis der M3AAWG-Konferenz von Riesen wie GMail haben wird schnell klar, wenn in einem improvisierten Trainings-Rollenspiel ein Telefonanruf bei Gmail stets nur den Anrufbeantworter erreicht, der noch dazu textet: „Hi, it’s Dana from gmail, I’m away from my desk, leave a message, I won’t call you back.“  -Der ganze Saal lacht, es ist offensichtlich, daß viele hier im Raum die gleichen Erfahrungen gemacht hat.

Aber auch die Kunden werden sarkastisch-resigniert aufs Korn genommen: Im Rollenspiel regt sich der gespielte Marketing-Mensch der „smokeless cigarettes“ darüber auf, daß seine Millionen-Marketing-Mails nicht sofort versendet werden können — wo er doch schließlich 9,99 $ pro Monat an seinen Provider dafür zahle! Unverschämt!

Warum seine Mails von anderen Providern als Spam abgelehnt werden würden könne er sich nicht erklären, schauspielert der  Konferenz-Teilnehmer seine Rolle als Marketing-Boss weiter. Geändert habe er schließlich nichts — lediglich kürzlich eine halbe Million Mailadressen auf dem Schwarzmarkt neu aufgekauft.

Der Konferenztag heute endete dann noch mit einem technisch äußerst interessanten Vortrag eines Telefon-Carriers, der über seine Probleme mit SMS-Spam berichtete. Wie hochgradig organisiert und professionalisiert die Spammer hier vorgehen, zeigen seine Zahlen: Mehr als 330 neue Prepaid-Sim-Karten würden Spammer pro Tag aktivieren. Schon das eine gewisse technische und logistische Leistung. „So schnell können wir die SIMs gar nicht identifizieren und abschalten“, klagt der Referent sinngemäß. In einer konkreten Spam-SMS-Welle im Januar und Februar 2012 wären dabei über 200 Millionen Spam-SMS von über 10.000 Telefonnummern verschickt werden. Die Empfänger wurden mit dem Versprechen auf ein neues iPhone gelockt („Apple is looking for people to test  & keep iphone5“), was diese wohl zu außerordentlich hohen Klickraten auf die in den SMS enthaltenen Links brachte.

 

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